The Trabi-Story

   
Es ist das 22. Jahrhundert. Auf der Ganzen Welt fahren Wassergekühlte 4-Tackter Otto- oder Diesel-Motoren. Auf der Ganzen Welt? Nein ein paar Tausend in Deutschland lebende Menschen fahren einen Trabant. Jetzt fragen sich einige: Was zum Henker ist ein Trabant? Ein Trabant oder auch Trabi genannt wurde in der DDR gebaut. Die wurde dann von der BRD geschluckt. Zurück zur DDR und zum Trabi.
 
Also wir befinden uns im Jahr 1953. Das SED-Regiem gesteht sich ein, das die "Produktion von Personenkraftwagen nicht dem Bedarf der Bevölkerung entspricht". Um den angewachsenen Groll des Volkes zu dämpfen, beauftragten die Staatslenker den späteren VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau, gemäß "dem Wunsch vieler Werktätigen nach individueller Motorisierung" einen Kleinwagen zu entwickeln. Leider war zu der zeit der Kalte Krieg und mit der Stahl Beschaffung war's nicht weit her. Also mußte ein Ersatz für die Karosserie gefunden werden. Ein paar pfiffige Erfinder haben nach jahrelanger Forschung ein Holzschliff-Baumwoll-PVC-Mischung als Karosserie sich erdacht. Aber da der Name zu lang war haben sie ihn einfach " Duroplaste" genannte und noch kürzer dann "P". Seit dem heißen alle Trabant mit der Karosserie aus Holzschliff-Baumwoll-PVC-Mischung P- mit Vornamen.
 
Am 07.11.1957 wurde der erste Trabant auf die Straßen der DDR losgelassen. Der erste Trabant wurde Werksintern P50 genannt aber auf der Straße wurde er als 50er bezeichnet. Der Trabant besaß ein Quer eingebauten Zweizylinder-Zweitackt-Ottomotor mit sage und schreib 500 ccm und 18 PS das dazu führte das er ein Fronttriebler wurde. Was zu seiner Zeit nicht typisch war. Er hatte ein Maximale-Geschwindigkeit von 90 km/h. Schneller konnte man auf den Straßen damals eh nicht fahren. Das Fahrwerk Spiegelte den technischen Stand von 1939 wider, wo Einzelradaufhängung und selbsttragende Karosserie zum Weltniveau gehörten. In den Jahren 1955-1959 wurde der P50 ca. 36.000 mal gebaut. Den P50 gab es damals in drei Modell-Varianten, zum einem gab es die Limousine, den Kombi und das Coupé. Für das erste Modell mußte man 8360 Mark hinlegen. Der Trabant sollte vor allem "der Kleinwagen für unsere werktätigen Menschen sein, ihnen Entspannung und Erholung bringen". Also konnten 4 Personen mit reichlich Gepäck auch mal mit dem P50 in Urlaub fahren. Der P50 wurde damals auch in den Westen exportiert und brauchte sich im Klein-Wagen-Segment nicht verstecken. Denn er hatte einen entscheiden Vorteil. Die nicht Rostende Plaste-Karosserie. Im Jahr 1959 wurde der Kombi der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit dem Kombi wurde auch ein 20 PS Motor und ein Viergang-Synchrongetriebe vorgestellt.

 
Den Namen Trabant ist nicht einfach so entstanden. Sondern am 04.10.1957 wanderte der erste künstliche Erdtrabant um die Welt. Durch die Euphorie die damals herrschte kam den VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau ein geniale Idee. Sie nannten das Fahrzeug das am 07.11.1957 die Werkhallen Verlies "Trabant".
 
1962 kam dann der P60. Dieser besaß die gleiche Karosserie wie der P50. hatte aber einen 600 ccm Zweizylinder-Zweitackt-Ottomotor drin, der ihm den Namen 600er einbrachte. Der P60 besaß 23 PS und hatte eine geänderte Instrumententafel und geänderte Sitze. Ansonsten wurde nicht viel verändert. Weil die Fertigungsanlagen des P50 beibehalten werden sollte.
 
Doch war inzwischen offenkundig, das ein völlig neuer Fahrzeugtyp hermuste. Ein stärkerer Motor mit niedrigerem Benzinverbrauch, mehr Platz und Komfort für die Insassen, so lauteten die Forderungen an den Hersteller. Statt dessen wurde im Sommer der P601 vorgestellt. Großes hatte man vorgehabt mit dem Nachfolger des P60. Doch herausgekommen war nur ein bescheidenes Update. Grundproblem: "Der neue Trabant mußte mit den Fertigungsanlagen des alten gebaut werden." Deshalb wurde die gesamte Bodengruppe als auch die Vorderkotflügel mit den Einheitsscheinwerfern beibehalten. Als Karosserieform wurde die Pontone-Limousine gewählt die gab es dann in den modischen Farben: pastellblau, pastellgrün, pastellbraun, marmorweiß oder silbergrau. 1967 wurde der Trabant-Kübel vorgestellt mit ihm seine Ziviler Gefährte der Trabant-Tramp. Der unterschied zwischen den Beiden Wagen war enorm. Der Kübel wurde für die Grenztruppen entwickelt und die mußten auf denen Kopfort verzichten.
 
Auszug aus einem Orginal-Prospekt: Der Trabant 601 ist in seiner Klasse die Lösung! Platzsparende Queranordnung des Motors, Einzelradaufhängung, Frontantrieb mit seinen international bewiesenen Vorteil, service-freundliche Anordnung aller Aggregate, wenig Verschleißteile, aber mit hohen Lebensdauerwerten und die absolut korrosionsfreie Duroplaste-Außenhaut. All diese Merkmale gestalten den Trabant 601 zu dem, was es ist: der robuste, wartungsarme, energievolle und zuverlässige Familienwagen der unteren Hubraumklasse, zum Automobil mit bewiesener Ökonomie!
 


Aber die Ingenieure ließen sich nicht Lumpen und haben immer wieder was neues für den Trabi erfunden:1965 - Kupplungsautomatik
1967 - zwei vordere Duplexbremsen
1968 - sage und schreibe 26 PS und 54 Nm aus dem 600 ccm Motor
1973 - neun Lichtaustrittscheibe für Blink-, Schluß- und Bremslicht sowie ein größerer Tank
1974 - Nadellagerung für die Kolbenbolzen drückte den Ölanteil auf 1:50
1981 - Kraftstoffhahn-Fernbedienung
1983 - umrüstung von 6 Volt auf 12 Volt sowie eine Warnblinkanlage
1984 - Kraftstoffmomentanverbrauchsanzeige genannt auch Mäusekino
1985 - Batteriezündanlage
1988 - Windschutzscheibe aus Mehrscheiben-Sicherheitsglas
 
Nach und nach sind auch Verbesserungen in die Produktion eingeflossen, von 1957 bis 1989 sind etwa 100 Detailverbesserungen in die Serienproduktion eingegegagen:- eine Schallschluckhaube für den Motor
- der Zusatzheizungsgeräuschedämpfer wurde verbessert
- der Axiallüfter erhielt eine Einlaufnabe
- eine Antidröhnmatte für das Luftleitblech
- Druckknöpfe für Außentürgriffen sind versenkbar
- Veränderung des Schließwinkels der Seiten- und Hecktür
- Umstellung der Scheibenwaschanlage von Druck- auf Zugpumpe
- Schraubenfedern hinten
- H4-Scheinwerfer, Nebelscheinwerfer, Nebelschlußleuchte, Rückfahrscheinwerfer
 
Ein Trabi bestand aus rund 4000 Teilen, von denen fast jedes zweite genügend Stoff für ein abendfüllendes Gespräch am Stammtisch hergab. Da eigentlich jeder der einen Trabant fuhr auch reparieren konnte ging es meist um Lichtmaschine, Anlasser, Auspuff, Scheibengummi, Scheibenwischer, Scharniere, Motorgeräusche, Klappern, Bremsen, Rostschutz und natürlich um die blaue Fahne hinten raus.
 
Die Ingenieure vom VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau waren nicht untätig ihn ihren Bemühungen einen neuen Trabant zu entwickeln. So wurden 1966 der Prototyp des P603 entwickelt. Das FZG sah dem VW Polo verdammt ähnlich, aber VW Polo gab es zu dieser Zeit noch nicht. Auf der Basis des P603 sollte der P610 entwickelt werden. Mit einem 43 PS Viertakt-Ottomotor, Scheibenbremsen Vorn von Skoda und einer Ganzstahkarosse. Die Entwickler hatten eine vorgabe. Die Produktionskosten und Entwicklungsgelder sollten 75 Millionen Mark nicht überschreiten, aber sie es. Das Politbüro hat errechnet, das die Produktion des P610 7,3 Milliarden Mark verschlingen würde. So wurde die Weiterentwicklung erstmal für 5 Jahre auf Eis gelegt um dann ganz eingestellt zu werden.
 
1984 wurde mit stolz verkündet. Man habe mit Volkswagen einen Lizenzvertrag geschlossen der Motoren für eine Automobil liefern soll. So wurde 1989 der Letzte Trabant vorgestellt. Der Trabant 1.1. Das FZG besaß einen 1.1 Liter Viertakt-Ottomotor mit 43 PS. Ihm wurde auch Scheibenbremsen vorn sowie einen Wärmetausche spendiert. So brauchte man im Winter nicht mehr frieren. Die Karosserie wurde dem Motor angepaßt und wurde noch eckiger. Aber auch schneller. Mit seinen Leergewicht von ca. 700kg sprintete man an jeder Ampel den anderen Fahrzeugen davon. Der Trabant fuhr erstmals in seiner Geschichte 125 km/h, eingetragen. Es wurde ein völlig neues Cockpit verbaut sowie neue Rückleuchten, so war der 1.1er auf der Straße leicht zu erkennen. Leider war er mit 20.000 Mark leicht zu teuer und so blieb man auf dem 1.1er sitzen. Da man einen gebrauchten Golf oder Käfer schon für knapp 5000 Märker bekam.
 
Am 30. April 1991 um 14.51 Uhr ging der Traum vom kostengünstigen Massenmobil zu Ende. Der 3.096.099ste Trabant war der letzte seiner besonderen Art, der durch die Sachsenring Zwickau Tore rollte.
 
1995 entdeckte man im Zollhafen von Mersin, in der Türkei, 444 1.1er der letzten Bauserie, die nicht zugelassen wurden, weil der Importeur in Konkurs ging. Sachsenring holte die etwas mitgenommenen Trabanten nach Zwickau, möbelte sie wieder auf und verkaufte sie für 19.444 Märker als "The Last Edition"
 
Den Letzten Trabant kann man im Automobil-Museum in Zwickau bewundern, neben den Ganzen anderen und den Prototypen. Es sollen sogar mal 3 Trabie´s mit Wankelmotor unterwegs gewesen sein. Aber davon habe ich nur gehört. Den allerletzten Trabi der "The Last Edition" soll ein Hamburger Namens Udo L. abgefaßt haben.
 
Aber das ist nicht das Ende der Legende sondern der Anfang. Denn es fahren immer noch genug davon auf den Straßen in und um Deutschland rum. Wir und anderen halten die Legende aus Zwickau am leben.

zurück